Fabulit Trainingslager 2008 für Jazz und Modern Dance

oder Synchronschwimmen für Arme

Man erkläre einem Laien, was Jazz und Modern Dance ist. Nein, kein Standard, auch kein Ballett! Meistens acht und meistens Mädchen auf einer Fläche, und alle tanzen meistens dasselbe.

 

 

Ach, so wie Synchronschwimmen ohne Wasser?

Jaaaa....

 

Es ist auch etwas schwer zu erklären, warum man für einen Abend, einen Tag, einen Vormittag und zwei Nächte solch riesige Koffer braucht, wie wir sie am Freitag zum Treffpunkt Lidl- Sackgasse schleppten... als Tänzer ist man doch eigentlich eher leicht bekleidet?

 

Nein, nicht wenn in der Turnhalle sibirische Verhältnisse herrschen, weil die Heizung ausgefallen ist. Da reicht eine Lage Kleidung nicht mehr aus.

Erstaunlicherweise bekamen wir alle Koffer und 12 Mädchen in drei Autos unter, und

damit Janina sich im fremden Auto ihres Freundes etwas heimischer fühlte, musste ihre Beifahrerin – in dem Fall ich- ihr Navigationssystem spielen, Sabine. Und Sabine lispelt leider etwas...

 

„Ssssie passssieren jetzssst die Ortsssseinfahrt von Scharbeutsss...“

Die kaputte Heizung war schon mal ein schlechter Auftakt, da wir schließlich zum ersten Mal nach Scharbeutz fuhren. Dafür wurden wir mit einem für Jungendherberge Verhältnisse erstaunlich gutem Essen und angenehmen Zimmern versöhnt – in denen wir uns aber praktisch nur zum schlafen aufhielten.

Freitag Abend ging es erstmal mit Sekt und Süßigkeiten bewaffnet an das Frisur – Kleidung – Schminke Problem.

 

Wenn man zwei geflochtenen Zöpfe trägt, sieht man dann zu sehr nach Boxerin aus? Steht das nur Linda mit ihren dunklen Haaren und sehen die Blondinen unter uns mit zwei Bauernzöpfen einfach nur wie Heidi aus?

Die Toupier – Version von Kristina war anfangs sehr beliebt, wurde dann aber doch zugunsten der Zöpfe verworfen. In der Zeichentrickversion hat Heidi schließlich auch braune und nicht blonde Haare.

 

Nächstes Problem: Schminke.

Roter Lippenstift, dazu passender roter Nagellack an Händen und Füßen.

Und, Panzerknackerlike, einen schwarzen Balken vor die Augen.

Entweder wir suchen uns die Probleme oder es gibt wirklich so viele Arten, sich einen schwarzen Streifen ins Gesicht zu malen... schmal, breit, in Brillenform, über der Nase eingeschnitten, an den Schläfen schmaler... weiß noch irgendjemand, für welche Version wir uns letztendlich entschieden haben?

 

Und natürlich: die Gefängnisnummer... zum Lippenstift/Nagellack passende rote Zahlen auf schwarzem oder weißem Grund oder schwarze Zahlen auf rotem Tuch... da weder roter Edding noch rotes Tuch vorhanden war, wurde diese Diskussion auf später verschoben.

 

Samstag früh... zu früh... um 8:00 Uhr Frühstück; von allen Seiten: Obstsalat?! Den krieg ich nicht mal zu Hause!

 

Die erste Trainingseinheit in Sibirien folgte... Nach eher wenig zufriedenstellenden zweieinhalb Stunden hatten pro Zimmer vier Mädchen 15min. Zeit, um sich eine Dusche zu teilen, bevor es zum Mittagessen ging.

 

Da das Wetter ziemlich schön war, ging es danach zum Strand, die einen lernten fürs Abitur, die anderen flochten Bauernzöpfe, und wieder andere gingen baden... Hannah und mir war die Turnhalle nicht kalt genug gewesen, sodass wir uns in der Ostsee abkühlten.

 

Die Reaktionen reichten von „Ihr habt doch nen Knall“ bis zu „Ihr seid voll schlau; das stärkt die Abwehrkräfte!“. Obwohl gerade dafür ja Actimel erfunden wurde...;)

Nach einer heißen Dusche setzten wir uns zu den Abiturlernerinnen, Thema: Goethes Faust, wobei sich die Frage aufdrängte, worum es in der so genannten hohen deutschen Literatur eigentlich geht...

 

„In der Szene haben sie es doch gemacht, oder?“

„...Nein, da hat sie es als Zeichen gedeutet, dass sie bald ihre Jungfräulichkeit verlieren würde.“

„Aber sie habenes doch in der Szene davor gemacht?“

„Da waren sie miteinander spazieren...“

„Aber sie haben es doch gemacht...?!“

 

In der zweiten Trainingseinheit wurden die Kleider probiert, und abgesehen davon, dass die schwarze Schminke nicht balkenförmig blieb sondern sich bei mancher quer übers Gesicht verteilte, tat auch noch jede Bewegung weh.

 

Um die Muskeln etwas zu lockern, freuten wir uns alle auf einen erholsamen Abend in der Ostseetherme, insbesondere auf den Sauna-Bereich.

 

So weit wären einige von uns dann aber fast nicht gekommen; nach soviel Kälte in der Turnhalle war der erstbeste Whirlpool (2m neben der Eingangstür?*g*) schon ein Paradies, und nicht jede hatte die Kraft, diesen Ort der Wärme und Behaglichkeit zu verlassen, um die lange, über eine zugige Wendeltreppe führende Reise zur Super-Rutsche anzutreten... Die etwas mutigeren (und die, die die Ampeln verstanden!) hatten das zweifelhafte Vergnügen, durch einen dunklen, grünen Tunnel zu rutschen, nur die Schreie der Nachfolgerin in den Ohren.

 

Den restlichen Abend verbrachten wir damit, von Sauna zu Sauna zu ziehen (trotzdem tat Sonntag alles weh^-^).

 

Dafür stellten wir fest, dass die zweifache Drehung, die im Tanz nicht klappt, im Brusttiefen Wasser ganz einfach ist...

 

Sonntag, letzte Trainingseinheit...wir schleichen von Tanzstelle zu Tanzstelle...

Janina ist zufrieden, denn: wir tanzen ruhiger. Na, was ein Wunder!

 

Kurz vor der Abreise fehlte plötzlich ein Zimmerschlüssel, wir durften aber trotzdem heim fahren, beziehungsweise einige von uns verpassten die richtige Autobahnauffahrt (Sabine war zu müde um aufzupassen) und fuhren weiter Richtung Fehmarn... warum auch nicht, es war ja richtiges Strandwetter, aber wir fanden doch noch den Weg nach Hamburg, und bekamen in Janinas Auto noch einmal einen Schreck, als plötzlich ein lautes, undefinierbares Piepen losging; und auch Janina nicht sagen konnte, weshalb das Auto auf einmal solche Geräusche von sich gab... wir vermuteten den Ölstand, sind aber auf jeden Fall gut am Appelhoff angekommen.

 

Wer Glück hatte, wurde von dort abgeholt, alle anderen mussten ihre müden Glieder (und die Koffer...) allein nach Hause schleppen...

 

Zum Abschluss: Wir haben ein super (anstrengendes aber effektives) Trainingslager gehabt, haben den Traum einiger Mitglieder („Ich will einmal in Kostümen tanzen, die schön aussehen!“) so gut wie möglich verwirklicht; die Saison kann kommen!

Und deshalb auch noch einmal vielen Dank an Janina, Hanne und Güni, die uns dabei unterstützt haben!

 

Ein Bericht von Romy